Samstag, 11. Juli 2015

Emi's World Literature List #67

Es geht weiter, das nächste Buch ist von meiner Liste gestrichen worden. Meine Nummer 67 und das dritte von fünf japanischen Büchern. Mir war von Anfang an klar, dass Natsume Sôseki mit auf die Liste müsste. Sehr schnell hatte ich mich für "Ich der Kater" entschieden. Wie der Titel schon andeutet, wird die Geschichte aus der Sicht eines namenlosen Katers erzählt. Und das sehr amüsant, immer wieder musste ich lachen, weil so viele kuriose Erzählstränge, Dialoge und Beschreibungen enthalten sind. Etwa eine wirklich seitenlange Beschreibung eines der Charaktere, wie er eine Violine kaufen will, wobei er praktisch den damaligen Tag minutiös schildert und immer wieder unterbrochen wird, weil bis auf einer sich bald alle langweilen. Ich habe mich totgelacht!

Ein Beispiel will ich euch geben, einer der Charaktere, ein Dichter, äußert sich über Gedichte, weil keiner der anderen sein Gedicht versteht:

"Daß Sie, meine verehrten Herren, das Gedicht nicht verstehen, ist nicht weiter erstaunlich, hat doch während der letzten zehn Jahre in der Welt der Lyrik eine derart rasante Entwicklung stattgefunden, daß sie kaum noch wiederzuerkennen ist. Man versteht moderne Gedichte nicht, wenn man im Bett oder auf einem Bahnhof in ihnen herumblättert, ja, nicht selten gerät sogar der Verfasser eines Gedichts in Verlegenheit, wenn man ihn nach dem Sinn fragt. Da die Dichter sich beim Schreiben aber ausschließlich auf ihre Inspiration verlassen, kann man sie für nichts verantwortlich machen - außer für die Tatsache, daß sie schreiben. Anmerkungen, Kommentare, Exegese sind Sache der Forscher, uns Dichter bekümmern diese Dinge nicht im geringsten. Unlängst hat ein Freund von mir, ein gewisser Sôseki, eine Kurzgeschichte mit dem Titel Ichiya geschrieben, der Text ist aber derart nebulös, daß niemand in ihm einen Zusammenhang erkennen kann, und als ich ihn jüngst traf, fragte ich ihn ausführlich nach dem eigentlichen Sinn der Kurzgeschichte, er wies mich jedoch kalt mit der Bemerkung ab, er selbst hätte auch nicht die leiseste Ahnung. Und gerade daran erkennt man, meiner Meinung nach, den wahren Dichter." (S. 290)

Wie immer: japanische Literatur ist sehr eigen, das ist nun aber ein Roman, den ich wirklich jedem, der bereit ist, sich ein wenig zu öffnen, wärmstens empfehlen würde, er ist wirklich sehr lustig, sehr ironisch, mit vielen tollen Szenen.

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